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SIT → UAT ohne Reibung: Test Management & Governance als Erfolgshebel

SIT → UAT ohne Reibung: Test Management & Governance als Erfolgshebel

Service Management

Der Integrationstest (SIT) ist „grün“, die Defect-Liste überschaubar – und trotzdem bleibt im User Acceptance Test (UAT) plötzlich alles hängen: echte Stammdaten fehlen, Berechtigungen greifen nicht, ein Joblauf blockiert den „Tag-im-Leben“-Prozess, das Reporting liefert andere Zahlen als erwartet. Kommt Ihnen bekannt vor?

Der Grund ist selten technische Inkompetenz. Meist fehlt die Brücke zwischen zwei Welten: Der Implementierungspartner verantwortet den SIT auf Lösungsebene, das Business muss im UAT beweisen, dass die End-to-End-Prozesse mit realistischen Daten, Rollen und Belegen tatsächlich arbeitsfähig sind. Genau hier entscheidet sich, ob ein S/4-Programm planbar in die Abnahme und Produktion geht – oder in Schleifen feststeckt.

Ausgangssituationen in Bezug auf Projekt-Setup, -Rollen und Erwartungen

In der Praxis begegnen uns immer wieder verschiedene Ausgangssituationen, die den Verlauf eines Projekts maßgeblich beeinflussen. Übliche Projekt-Setups umfassen Greenfield-Ansätze, bei denen ein Fit-to-Standard-Ansatz verfolgt wird und ein hoher Organisations- und Rollen-Change erforderlich ist. Hierbei muss der User Acceptance Test (UAT) realitätsnah den „Tag-im-Leben“ und den Output, wie Druck und Formulare, prüfen. Bei Brownfield-Projekten, die eine System Conversion beinhalten, liegt der Fokus stark auf der Regression bestehender Prozesse, Schnittstellen und Formulare, wobei hohe Abhängigkeiten von Daten und Berechtigungen bestehen. Selective Data Transition-Projekte, die als Hybrid-Ansatz durchgeführt werden, erfordern eine parallele Orchestrierung von alten und neuen Prozessketten sowie eine lückenlose Traceability über Systemgrenzen hinweg.

Besondere Herausforderungen ergeben sich in regulierten Branchen, wie beispielsweise GxP, SOX/IDW oder BAIT/MaRisk, wo auditfeste Evidenzen, nachvollziehbare Freigaben, Rollen- und Berechtigungsnachweise sowie ein klarer Entscheidungsweg von Anfang an Pflicht sind.

Stephan Grebe

„Governance ist der Schlüssel, um die Brücke zwischen Implementierungspartner und Fachbereich zu schlagen und sicherzustellen, dass S/4HANA-Programme nicht nur im SIT, sondern auch im UAT erfolgreich sind. “

– Stephan Grebe, Senior ITSM Consultant

Das Rollenmodell in vielen Programmen sieht vor, dass der Implementierungspartner den System Integration Test (SIT) vollständig verantwortet, einschließlich Design, Durchführung und Defect-Handling innerhalb des Lieferumfangs. Auf der Kundenseite sind Business und IT für den UAT verantwortlich, einschließlich Prozess-Abnahme, Akzeptanzkriterien, Evidenzen und Go/No-Go-Entscheidungen. Oftmals wird das Test Management und die Governance nicht explizit besetzt, obwohl genau hier die Brücke zwischen SIT und UAT gebaut werden muss, um Rollen, Kriterien, Übergabe und Eskalation zu managen.

Die Erwartung, dass ein „grüner“ SIT automatisch bedeutet, dass das System UAT-bereit ist, entspricht häufig nicht der Realität. Der UAT scheitert oft an Testdaten, Rollen und Berechtigungen, Output, Jobketten, Schnittstellenfenstern und unklaren Abnahmekriterien – Aspekte, die im SIT nicht zwingend vollumfänglich nach Realbetrieb simuliert werden.

Herausforderungen am Übergang SIT → UAT

Oftmals ist nicht klar definiert, wer für welche Phase des Tests verantwortlich ist. Dies führt zu Missverständnissen und Verzögerungen. Ein klar definiertes RACI-Modell (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) kann hier Abhilfe schaffen. Ein „grüner“ SIT bedeutet nicht automatisch, dass das System UAT-bereit ist. Es fehlen oft messbare Kriterien, die den Übergang von einer Phase zur nächsten definieren. Hier sind klare und messbare Kriterien notwendig, um den Fortschritt und die Bereitschaft zu bewerten. Realistische und vollständige Testdaten sind entscheidend für den Erfolg des UAT. Oftmals fehlen jedoch die notwendigen Daten oder die Testumgebungen sind instabil. Ein gut durchdachtes Testdaten-Management und stabile Testumgebungen sind hier der Schlüssel. Ohne eine klare Nachverfolgbarkeit von Anforderungen über Testfälle bis hin zu Defects und Entscheidungen entstehen Lücken, die zu Audit-Problemen führen können. Eine tool-agnostische Traceability-Konvention kann hier helfen, die Nachverfolgbarkeit sicherzustellen.

Best Practices für den Übergang von SIT zu UAT

Klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Meetings sind entscheidend. Ein tägliches Sanity/Transport-Standup, ein Defect-Board 2–3 Mal pro Woche und ein wöchentliches Management-Review können helfen, den Überblick zu behalten und schnell auf Probleme zu reagieren. Vom „Gefühl“ zur Verbindlichkeit. Definierte Exit- und Entry-Kriterien für SIT und UAT, wie z.B. High-Risk-Abdeckung, keine offenen Blocker und stabile Testumgebungen, sind notwendig, um den Fortschritt objektiv zu bewerten. Ein einheitliches Template für die Übergabe von SIT zu UAT, das alle notwendigen Informationen wie Release Notes, Testabdeckung, bekannte Probleme und Workarounds enthält, kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden und den Übergang zu erleichtern. Realistische und reproduzierbare Testdaten sind entscheidend. Golden Sets für End-to-End-Prozesse, ein klarer Refresh-Plan und die Anonymisierung/Maskierung von Daten nach Bedarf sind hier wichtige Maßnahmen.

Warum Governance hier der Game-Changer ist

Ohne einen klaren Rahmen, der durch Governance geschaffen wird, entsteht eine Grauzone: Wer entscheidet, ob ein „SIT-Known-Issue“ UAT-blockierend ist? Welche Daten gelten als „golden“? Ab wann ist ein Release UAT-fähig? Diese Fragen sind keine Toolfrage, sondern eine Frage der Governance. Mit klar definierten Rollen (RACI), messbaren Entry/Exit-Kriterien, einem standardisierten Übergabepaket, einer effektiven Defect-Triage und einem transparenten Reporting kann die notwendige Struktur geschaffen werden, um den Übergang von SIT zu UAT reibungslos zu gestalten.

Governance ist der Schlüssel, um die Brücke zwischen Implementierungspartner und Fachbereich zu schlagen und sicherzustellen, dass S/4HANA-Programme nicht nur im SIT, sondern auch im UAT erfolgreich sind. Mit den richtigen Governance-Mechanismen können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Projekte planbar in die Abnahme und Produktion gehen, ohne in endlosen Schleifen festzustecken.

Sind Sie bereit, Ihre S/4HANA-Programme auf das nächste Level zu heben? Lassen Sie uns gemeinsam die Herausforderungen meistern und die Vorteile einer starken Governance nutzen. Kontaktieren Sie uns, um mehr zu erfahren und den ersten Schritt in Richtung eines erfolgreichen UAT zu machen.

Titelbild: © Freepik/Freepik.com